Anita Brechbuehl | 05.09.2017

Kurztrip Tessin - Meine Lieblingsplätze

Den Sommer verlängern – das geht zum Beispiel in der Sonnenstube der Schweiz. Das Tessin ist gerade im Herbst ein tolles Reiseziel für alle, die gerne nochmals ein Wochenende Sonne auftanken und das warme Herbstwetter geniessen möchten. Nebst den beliebten Ausflugszielen wie Ascona, Locarno, Maggiatal und Val Verzasca, locken auch unbekanntere Regionen mit schönen Landschaften und malerischen Dörfern. Ich habe euch hier meine drei Favoriten abseits der ausgetretenen Pfade herausgepickt.

Malcantone

Die sanft geschwungene Hügellandschaft, die sich von Agno bis zum Monte Lema zieht, hat im Herbst einige Trümpfe im Ärmel. Da wäre zum einen der hervorragenden Wein und zum anderen die uralten Kastanienwälder. Die Kastanie war früher ein Grundnahrungsmittel der Tessiner Bevölkerung. Heute lässt sich Kulturlandschaft auf einem Themenweg erwandern. Der Sentiero del Castagno führt auf rund elf Kilometern vorbei an idyllischen Dörfern und durch die Kastanien- und Birkenwälder des Alto Malcantone. 

Carona

Das Künstlerdorf Carona gehört zur Gemeinde Lugano und liegt eingebettet zwischen San Salvatore und Monte Arbostora hoch über dem Luganersee. Das Eingangstor zur Ortschaft ist so eng, dass das Postauto knapp hindurch passt und die schmalen Gassen wirken auf den ersten Blick so verwirrend, dass wir damals bei unserem Besuch doch glatt die falsche Abzweigung erwischten. Doch wer sich in dem Gassengewirr mal einen Überblick verschafft hat, wird dem Charme Caronas garantiert verfallen. Das 800-Seelen-Dorf ist seit Jahrhunderten berühmt für seine Steinmetze, Bildhauer, Stuckateure und Architekten, deren Kunst die Gebäude des Dorfes geprägt haben. Auch der deutsche Schriftsteller Herman Hesse schätze Carona als Rückzugsort.
Seither scheint in Carona die Zeit stehen geblieben zu sein und auf der Piazza Montaa kann man gedanklich zurück in die Zeit reisen, als Meret Oppenheim’s Wohnhaus gleich am Rande des Platzes ein beliebter Treffpunkt namhafter Künstler war.
Zu einem Ausflug nach Carona gehört auch ein Abstecher zum botanischen Garten Parco San Grato dazu. Die Rhododendren sind zwar im Herbst schon verblüht, aber die Aussicht von dort oben auf Carona und den Luganersee ist Grund genug, diesen wunderbaren Fleck keinesfalls zu verpassen.

Monte San Giorgio

Die Besonderheiten des Monte San Giorgio, der sich auf Höhe von Riva San Vitale hoch über den Luganersee erhebt, zeigen sich nicht auf den ersten Blick. Sein Geheimnis liegt in den Steinen. Die sind nämlich dermassen Fossilienreich, dass die UNESCO den Monte San Giorgio 2003 als Welterbestätte anerkannt hat. Geologisch gesehen ist der Berg ein Stück Afrika mitten in Europa. Auch ohne geologische Kenntnisse lohnt sich ein Abstecher zum Monte San Giorgio aufgrund des tollen Fernblicks von dessen Gipfel. Bis ganz hinauf fährt keine Seilbahn, da ist die eigene Muskelkraft gefordert. Als Ausgangspunkt bietet sich Brusinio Arsizio an. Von dort geht’s mit der Seilbahn bis hinauf nach Serpiano. Beim Aufstieg zum Gipfel sollte man den Blick immer mal wieder gegen den Boden richten. Vielleicht entdeckt man ja das eine oder andere steinerne Fossil. Wer sich eingehender mit den Fossilien und der geologischen Geschichte der Region auseinandersetzen möchte, stoppt beim Fossilienmuseum in Meride. Ihr sind die bedeutendsten Fundstücke ausgestellt.

Infos zum Autor

Anita Brechbuehl

Seit 2012 berichtet Anita Brechbühl auf ihrem Reiseblog travelita.ch über ihre Wochenendausflüge, Städtetrips und Fernreisen. Getreu ihrem Motto „ Die Welt beginnt vor der Haustür“ ist sie oft in den verwinkelten Tälern der Schweizer Bergwelt anzutreffen. Immer mit dabei ist die Kamera, um die schönsten Momente für ihre Blogleser festzuhalten.