Melanie Schmid | 06.08.2018

Märchenland Küche

Es war einmal ein kleines Mädchen. Das ging im Sommer immer mit seiner Grossmutter zu ihrer Schwester ins Baselbiet, um Kirschen abzulesen. Die Früchte waren von der Sonne geküsst und schmeckten zuckersüss. Das Mädchen konnte nicht genug davon bekommen − es landeten mehr Kirschen in seinem Bauch als im Erntekörbchen. Da der Sommer heiss war, bekam das Mädchen mit der Zeit Durst. Seine Grossmutter ermahnte es: «Trink ja kein Wasser, das gibt nach diesen Kirschen böse Bauchschmerzen!» Das Mädchen war eingeschüchtert und vermied es noch Stunden später, etwas zu trinken.

Heute bin ich erwachsen und durchschaue den Ratschlag meiner Grossmutter als Küchenmärchen. Davon leben viele seit Jahrzehnten als Mythen weiter, wie etwa das Cholesterin, das verteufelt wird. Doch was steckt dahinter?

Kirschen und Wasser geben Bauchschmerzen

Früher kämpften die Menschen tatsächlich nach dem Verzehr von Steinobst und gleichzeitigem Trinken mit Bauchschmerzen. Der Grund: Wahrscheinlich war das Hahnenwasser damals noch mit Keimen verseucht, die in Zusammenhang mit Steinobst Blähungen verursachen konnten. Heute ist das kein Thema mehr.

Warmes Brot verursacht Bauchschmerzen

Ofenfrisches Brot duftet herrlich, am liebsten würde man gleich hineinbeissen. Das ist tatsächlich bedenkenlos möglich. Brot muss nicht zuerst abgekühlt werden. Es kann im Magen nicht weitergären. Die daraus resultierenden Bauchschmerzen sind ein Mythos.

Kaffee entzieht dem Körper Wasser

Trinke im Sommer keinen Kaffee, das entzieht dem Körper das Wasser. Falsch! Egal, ob man Wasser oder Kaffee trinkt, der Flüssigkeitshaushalt im Körper verhält sich gleich. Bei reinem Wasser scheiden wir 81 Prozent davon direkt aus, bei Kaffee sind es nur wenig mehr. Die Inhaltsstoffe des Kaffees können die Magensäure anregen, was für regelmässige Kaffeegeniesser aber kein Problem ist. Kaffee zählt zur täglichen Flüssigkeitsration.

Ein Salat am Mittag reicht aus

Wer auf seine Linie achtet, schwört oftmals auf einen Salat als Mittagessen. Doch ist dies zielführend für eine Gewichtsreduktion? Wer am Mittag nur ein «Salätli» isst, nimmt keine vollwertige Mahlzeit zu sich. Die Gefahr ist gross, dass man den ganzen Tag Hunger hat und dann am Abend oder bei Zwischenmahlzeiten umso mehr (Ungesundes) isst. Für eine vollwertige Mahlzeit dürfen Brot und Proteinen wie Nüsse, Fleisch oder Frischkäse nicht fehlen. Da Salat hauptsächlich aus Wasser statt aus Vitaminen besteht, sollte er mit zusätzlichen Gemüsesorten ergänzt werden.

Guter Fruchtzucker, böser Kristallzucker

Da Fruchtzucker in Früchten vorkommt, hat er ein besseres Image als Kristallzucker. Allerdings haben beide Zuckerarten gleich viele Kalorien und sollten nur massvoll konsumiert werden. Der Vorteil von Fruchtzucker besteht darin, dass Früchte zahlreiche wichtige Vitamine und Nährstoffe beinhalten und deshalb gesund sind. Schokolade kann das in Kombination mit Kristallzucker nicht bieten.

Schnaps regt die Verdauung an

Nach dem Fondueplausch ist ein Schnaps Pflicht, das fördert schliesslich die Verdauung und mindert das Völlegefühl. Ein Irrtum: Alkohol lockert die Magenmuskulatur, und dadurch fühlen wir uns weniger voll. Jedoch ist der Schnaps für die Verdauung kontraproduktiv. Je mehr Alkohol konsumiert wird, desto langsamer läuft die Verdauung. Da bleibt man besser beim Wasser.

Welche Küchenmärchen wurden Ihnen als Kind aufgetischt?

Vielleicht leben Sie ja immer noch danach. Eine Recherche über deren Wahrheitsgehalt lohnt sich.

Infos zum Autor

Melanie Schmid

Ich arbeite seit 2016 als Redaktorin in der Unternehmenskommunikation von Visana. Als «Schreiberling» gefällt mir, dass ich immer wieder zu neuen Themen recherchieren und meine eigenen Interessen einbringen kann, wie etwa im Bereich gesunde Ernährung. Mir ist genügend Bewegung wichtig, sei es auf einer Joggingrunde im Wald oder in einer Pilateslektion. Immer in Bewegung bin ich auch auf unserer Erdkugel: Ich liebe es, neue Länder und Kulturen zu entdecken.