Stephan Fischer | 03.09.2018

Leben retten und Organe spenden

Rund 1500 Personen warten schweizweit auf ein Spenderorgan. Leider gibt es viel zu wenig Spendewillige. Deswegen sterben auch dieses Jahr wieder 100 Menschen. Was ist mit euch? Spendet ihr eure Organe, wenn ihr einmal nicht mehr seid?

Der Tod ist eine unangenehme Sache, keine Frage. Dies ist ein Grund, weshalb wir uns so wenig wie möglich mit ihm befassen. Und überhaupt: Wer will schon, dass einem auf dem Sterbebett Herz, Niere oder Leber entnommen werden? Vermutlich noch, ehe man richtig tot ist – so wie dies in gewissen Hollywood-Filmen vorkommt. Beim Gedanken daran kommt tatsächlich ein mulmiges Gefühl auf. Sachlich betrachtet, sieht das Ganze aber anders aus.

Spenden ist kein Nachteil

Meine Organe dürfen mir erst dann entnommen werden, wenn ich nachweislich hirntot bin. Ich vertraue darauf, dass die Ärzte in der Schweiz ihre grosse Verantwortung gegenüber Patienten und Angehörigen wahrnehmen und sich an die Gesetze halten. Und der Gedanke, dass sich Ärzte im Notfall schlechter um potentielle Organspender kümmern würden, weil sie an ihr «Inneres» wollen, scheint mir absurd.

Banges Warten auf erlösenden Bescheid

Wer Organe spendet, rettet Leben – «Einer geht, einer lebt». Das soll nicht pietätlos klingen, sondern die Sache auf den Punkt bringen. In meinem Portemonnaie befindet sich seit Jahren eine Organspende-Karte (ich hoffe natürlich, dass sie noch lange nicht zum Einsatz kommt). Aber wenn ich mal tot bin, dann benötige ich meine Organe nicht mehr. Andere wären jedoch froh darum. Wie gesagt, es warten 1500 Menschen – vermutlich sehnsüchtig – auf die erlösende Nachricht: «Jawohl, wir haben ein passendes Spenderorgan für Sie.» Dass mir niemand dafür dankt, ist irgendwie unbefriedigend, das gebe ich zu. Aber das stört mich dann ja nicht mehr …

Online-Register ab 1. Oktober 2018

Das Organspenden ist freiwillig, und wird es auch bleiben. Wer das aus irgendeinem Grund nicht will, muss nicht. Allerdings sollte man sich zuerst die Frage stellen: Würde ich selber wollen, dass man mir im Krankheitsfall ein fremdes Organ verpflanzt? Wer darauf mit einem Ja antwortet, müsste konsequenterweise auch selber spenden. Dies kann man mit der Organspende-Karte bezeugen, die man im Portemonnaie mitführt, oder sich ab 1. Oktober 2018 auf der Website von Swisstransplant ins Nationale Organspenderegister eintragen. Ausserdem empfiehlt es sich, seine Angehörigen zu informieren, wie man zu Organspenden steht. So können sie im Zweifelsfall entscheiden, wenn die Organspende-Karte nicht auffindbar ist und der Eintrag im Register fehlt. Damit ein anderer weiterleben kann.

Volksinitiative «Organspende fördern – Leben retten»

Die Junior Chamber International (JCI) hat im Oktober 2017 die Volksinitiative zur Förderung der Organspende lanciert. Ziel der Initiative ist eine Verfassungsänderung. Demnach sollen neu alle Erwachsenen im Todesfall als potentielle Organspender gelten – ausser man hat seinen Widerspruch zu Lebzeiten in ein offizielles Register eingetragen. Mit dieser «Widerspruchslösung» will die Initiative die Anzahl potentieller Spender erhöhen und so mehr Leben retten. Die Unterschriftensammlung läuft noch. Am 15. September (Nationaler Tag der Organspende) findet in verschiedenen Schweizer Städten eine nationale Sammelaktion statt.

Infos zum Autor

Stephan Fischer

Seit 2007 arbeite ich als Redaktor in der Unternehmenskommunikation von Visana. Seitdem verstehe ich endlich, wie unser komplexes Gesundheitswesen funktioniert – mehr oder weniger. Als vielseitig interessierten Sportler und Leichtathletiktrainer beschäftigen mich Themen wie Prävention, Sportverletzungen oder Regeneration natürlich hautnah. Aber auch Umweltthemen und Naturwissenschaften gehören zu meinen journalistischen Lieblingsmotiven.