Stephan Fischer / 28.04.2019

Den Körper an die Pollen gewöhnen

Was tun bei Heuschnupfen? Es gibt nur eine Methode, welche die Ursache bekämpft und nicht die Symptome. Die Hyposensibilisierung ist eine Therapieform zur langfristigen Behandlung von Überreaktionen des Immunsystems.

Es gibt viele nützliche Tipps, um das Leiden als Heuschnupfenallergiker zu lindern. Fachleute raten zum Beispiel, die Pollenflugvorhersage täglich zu beachten. Sie bietet einen präzisen regionalen Überblick, wie hoch die jeweilige Belastung der Pollen ist. Sport gilt es wenn möglich zu vermeiden. Ideal für eine Joggingrunde ist die Zeit nach einem Regenschauer, denn dann ist die Luft reingewaschen. Regen bringt Segen.

Tipps für den Alltag

Und es gibt mittlerweile hilfreiche Tabletten, die nicht mehr müde machen. Lüften am besten zu pollenarmen Zeiten, in der Stadt am Morgen zwischen 6 und 8 Uhr, auf dem Land am Abend zwischen 20 und 24 Uhr. Damit sich die Pollen zu Hause nicht ausbreiten können, sollte man zudem regelmässig staubsaugen und wischen – und die Wäsche nicht draussen aufhängen. Die getragenen Kleider sollten nicht im Schlafzimmer bleiben, am Abend hilft eine Dusche, die Haare besser vor dem Schlafen waschen und nicht am Morgen, es gibt Luftreiniger und spezielle Putztücher. Und wenn das alles auch nicht hilft, kann man immer noch die Ferien so planen, dass man nicht in der Heimat ist, wenn jene Pollen Hochsaison haben, auf die man allergisch ist.

Das Übel an der Wurzel packen

Allerdings gibt es nur eine Heuschnupfentherapie, die bei der Ursache ansetzt und nicht bloss Symptome behandelt. Es ist die systemische Immuntherapie, die Hyposensibilisierung genannt wird – oder auch Desensibilisierung. Dieser Begriff ist jedoch nicht exakt und gilt als veraltet, weil die Sensibilisierung für das betreffende Allergen durch die Therapie nicht beseitigt wird. Sie bleibt erhalten, doch das Immunsystem reagiert auf dieses Allergen nach einer erfolgreichen Hyposensibilisierung entweder gar nicht mehr allergisch oder nur noch bei richtig heftigen Belastungen.

Bei der Hyposensibilisierung wird der Körper Schritt für Schritt an ein bestimmtes Allergen gewöhnt, damit es nicht mehr zu allergischen Beschwerden kommt. Deshalb erhalten die Patienten über einen längeren Zeitraum immer wieder jenes Allergen verabreicht, auf das sie reagieren. Die Dosis wird dabei stets erhöht, und ist die individuelle Höchstdosis erreicht, wird diese weiterhin verabreicht.

Immunsystem muss «lernen»

Durch die ständige Konfrontation mit dem Allergen lernt das Immunsystem, dass keine Gefahr droht. So nehmen die allergischen Beschwerden deutlich ab und treten im Idealfall gar nicht mehr auf. Die Hyposensibilisierung muss durch einen Arzt durchgeführt werden, beginnt normalerweise in der pollenfreien Zeit im Herbst und dauert im Schnitt rund drei Jahre. Diese lange Zeitspanne wird durch die hohe Erfolgsquote von rund 70 Prozent gerechtfertigt. Meistens wird sie mittels Spritzen durchgeführt, dann wird das Allergen unter die Haut gespritzt – es können aber auch Tabletten oder Tropfen eingenommen werden.

 

Die Behandlung ist mittlerweile bereits im Kindes- und Jugendalter erfolgversprechend, zumal das Abwehrsystem bei Kindern noch besonders lernfähig ist – und damit in der Lage, sich zu verändern.

Über
Stephan Fischer

Seit 2007 arbeite ich als Redaktor in der Unternehmenskommunikation von Visana. Seitdem verstehe ich endlich, wie unser komplexes Gesundheitswesen funktioniert – mehr oder weniger. Als vielseitig interessierten Sportler und Leichtathletiktrainer beschäftigen mich Themen wie Prävention, Sportverletzungen oder Regeneration natürlich hautnah. Aber auch Umweltthemen und Naturwissenschaften gehören zu meinen journalistischen Lieblingsmotiven.

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