Fabian Ruch / 14.03.2022

Langlauf-Boom: Aller Anfang ist schwer – meine erste Lektion auf der Loipe

So viele Menschen schwärmen vom Langlaufen. Unser Autor liess sich vom Hype anstecken und hat sich in den Skiferien für einen Einsteigerkurs angemeldet. Wie er seine erste anstrengende Langlauflektion erlebt hat und zu welchem Fazit er kommt, lesen Sie im Beitrag.

Das erste Mal Langlauf – Erlebnisbericht von Fabian Ruch

Ich fühle mich, als sei ich sechs Jahre alt. So wie damals im Sommer 1984, lang ist es her, als ich auf dem Sprungturm in der Badi stand und mich nicht wagte, aus fünf Metern ins Becken zu springen. Jetzt ist Februar 2022, ich bin in Leukerbad und alt geworden (besser gesagt: erfahren). Und doch fühlt es sich an, als sei ich wieder der kleine Bub von früher.

 

Dabei ist die Aufgabe vergleichsweise einfach... 

 

Die Abfahrt ist nur ein paar Meter lang, es ist nicht steil, es ist nicht eng, es ist nicht schwierig, es ist nicht eisig. Aber ich atme unruhig, das ist eine echte Mutprobe für mich. Meine Herausforderung: Ich soll diese kurze Strecke auf Langlaufskiern runtersausen. Und muss dabei innere Grenzen überwinden. Die Skier sind schmal und lang, man fühlt sich «gstabig» wie eine Giraffe, ein sicherheitsgebender Stemmbogen ist eine riesige Challenge – für mich. Aber: Es klappt, irgendwie klappt es, ich bin zwar total verkrampft, aber ich stürze nicht – und fühle mich trotzdem leicht lächerlich, weil ich tatsächlich ein wenig stolz bin. Der Langlauflehrer schmunzelt und sagt: «Nicht schlecht, wenn auch nicht besonders elegant. »

 

Meine erste Lektion als Langläufer geht damit zu Ende. Andreas, mein Lehrer, verabschiedet sich und sagt aufmunternd: «Du bist kräftig, aber du musst an der Technik arbeiten, das ist normal am Anfang. Sonst ist es zu anstrengend. » Am besten sei es, wenn ich bald weitere Kurse buchen und dranbleiben würde. «Viele machen den Fehler, alles selber lernen zu wollen. Potenzial ist bei dir vorhanden. Und es muss am Anfang auch nicht alles stilvoll aussehen. Es geht darum, die Basics zu verinnerlichen. » 

5500 Langlaufkilometer in der Schweiz

Langlauf erlebt einen Boom. Die Sportart ist nicht besonders cool, das Image ist (bzw. war) eher verstaubt. Doch in den letzten Jahren erklärten immer mehr Freunde und Bekannte, dass sie nun im Winter durch die Loipen zögen. Und sie schwärmten von den Vorzügen. Es sei gut für die Gesundheit und für die Fitness, man sei an der frischen Luft und überall gäbe es schöne Strecken. Insgesamt 5500 Langlaufkilometer sind es allein in der Schweiz. Und spätestens, als sie leidenschaftlich davon erzählten, welch tolle Restaurants es etwa im Obergoms entlang der traumhaften Langlaufwege habe, war auch mein Interesse geweckt.

Langlauftechnik? Ganz schön kompliziert für mich

Ich bin sporttechnisch gesehen ganz klar der Ballfreund. Trotzdem meldete ich mich im Februar ohne Vorkenntnisse für einen Kurs an. Schon die erste Frage überfordert mich: Klassisch oder Skating? Die charmante Angestellte in der Skischule meint, für Anfänger sei die klassische Methode einfacher. 

 

Na dann: Auf gehts! Langlaufen sieht simpel aus, ist aber technisch ziemlich anspruchsvoll. Unter anderem geht es um die perfekte oder zumindest angemessene Koordination von Armen und Beinen, um eine passende, zu den Bewegungen synchrone Atmung und darum, kräftig und dennoch möglichst kräfteschonend unterwegs zu sein. Beim Diagonalschritt etwa,

der Basistechnik des klassischen Stils, sollte der Stockeinsatz mit der rechten Hand auf das möglichst explosive Abstossen des linken Fusses vom Boden abgestimmt sein. Und dann dasselbe sofort umgekehrt – obwohl ich geistig immer noch daran bin, wie es mit der rechten Hand und dem linken Fuss genau hätte gehen sollen. So weit, so kompliziert. Oft erfolgt der Fussabstoss bei Neulingen zur falschen Zeit, häufig fällt der Stockeinsatz zu zaghaft aus.

Yoga als Hilfe

Es gibt viele Möglichkeiten, etwas falsch zu machen. Vor allem in der ersten Lektion. Meine Frau Manuela hat sich freundlicherweise bereit erklärt, den Kurs mit mir zu besuchen. Sie ist, das muss ich zugeben, wesentlich talentierter als ich und hat keinerlei Schwierigkeiten, die Technik umzusetzen. Das sei, sagt sie in einer Pause, als ich mich schwer keuchend sammle, weil sie seit Jahren Yoga praktiziere. Dort lernt und verinnerlicht sie offenbar solche für mich derart komplizierten Bewegungsabläufe und findet das Gleichgewicht – nicht nur das innere.

 

Meine Frau bewegt sich (oder schwebt vielmehr wie eine Fee) im Einklang über den Schnee, während ich kaum vom Fleck komme. Ich habe Mühe mit der Koordination, muss immer wieder überlegen, was ich mit Armen und Beinen, Stöcken und Skiern machen soll. Und erst die Atmung! Die soll ja auch synchron sein. Und der ganze Ablauf darf auch noch möglichst fliessend daherkommen, bitte schön. Ach, herrje! 

 

Nach rund einer halben Stunde geht es tatsächlich ein wenig besser. Teilweise habe ich das Gefühl, wirklich zu gleiten. Doch die korrekte Atmung ist bei mir ein Problem, das ich erfolgreich verdrängt hatte.

 

Gegen Ende der ersten Langlauflektion bin ich jedenfalls ziemlich geschafft.

Lust auf mehr nach dem Kurzlauf

Die gute Nachricht ist: Es steckt viel Steigerungspotenzial bei mir. Und was mir sehr gefällt: Wie man sich mit Doppelstockeinsatz richtig auspowern kann und bei der Ausführung tief in die Hocke gehen muss, um noch mehr Tempo zu generieren. Das fühlt sich intensiv an und ist gut für die Fitness.

Mein Fazit

Für mich ist klar, dass ich Langlauf eine Chance geben möchte. Wenn es die Zeit zulässt. Ich habe einige Ratgeber gelesen, kenne die Regeln in der Loipe (die ähnlich sind wie im Strassenverkehr) und weiss, dass es wichtiger ist, häufiger trainieren zu gehen und nicht länger. Das heisst: Besser dreimal eine Stunde als einmal drei Stunden.

 

Übrigens, ein weiteres Plus: Die Langlaufkarriere lässt sich mit relativ geringem finanziellen Aufwand starten.

 

Zurück aus den Ferien erzählt mir ein guter Freund, seit Ewigkeiten ein cooler Boarder, der auch Alpinskifahrer als bieder belächelt, dass er seit diesem Winter an jedem freien Tag als Langläufer unterwegs sei.

 

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Über
Fabian Ruch

Ich bin sportlich vor allem mit dem Ball unterwegs (Fussball, Tennis, Golf), gehe aber auch gerne ins Gym. Beruflich arbeite ich als Sportjournalist für die NZZ und habe mich im Bereich Kommunikation selbständig gemacht. Visana darf ich in vielen Bereichen textlich unterstützen. Ausserdem bin ich Redaktionsleiter des ersten Schweizer Frauen-Sportmagazins SPORTLERIN. Neben Sport gehören Reisen, Lesen und Pokern zu den liebsten unter vielen Beschäftigungen, die ich mag. 

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