Fabian Ruch / 25.02.2022

Willkommen, Ditaji Kambundji!

Ditaji Kambundji ist neu wie ihre Schwester Mujinga Markenbotschafterin von Visana. Im rasanten Gespräch verrät die talentierte 100-m-Hürdenläuferin, wie sie sich ernährt, was sie antreibt, welche Ziele sie verfolgt. Und die 19-Jährige erklärt, warum sie sich vor einem Wettkampf schminkt und eine neue Frisur kreiert.

F: Ditaji Kambundji, was bedeutet Gesundheit eigentlich für eine Spitzensportlerin?

A: Es ist völlig klar, dass eine gute Gesundheit sehr wichtig im Leben eines Menschen ist. Das gilt natürlich besonders, wenn man eine Athletin ist. Und ich bin zwar mit 19 Jahren immer noch eine junge Sportlerin, aber ich habe auch dank meinen drei älteren Schwestern längst begriffen, dass man selber eine Menge machen kann, um gesund zu leben und gesund zu sein. Ich rede nicht nur von angemessener Ernährung oder genügend Schlaf, sondern auch davon, dass man seinen Körper nach harten Trainings schont und genügend Zeit zur Regeneration einbaut. 

 

F: Warst du jemals schwerer verletzt oder krank?

A: Nein, zum Glück nicht. Eine heftige Verletzung ist für eine Sportlerin und einen Sportler sehr schlimm, ich habe das schon bei Kollegen mitbekommen. Das tut weh. Ich hatte schon Bänder angerissen, aber wirklich schlimm war das nie. 

F: Du bist eines der grössten Hürdentalente der Welt. Warst du schon als Kind so sportlich?

A: Meine Familie sagt, ich sei sehr lebhaft und wild gewesen. Bewegung war mir immer wichtig, wobei ich als jüngste von vier Schwestern logischerweise Vorbilder hatte, denen ich nacheifern wollte. Du warst 12, 10 und 6 Jahre alt, als ich geboren wurde.

F: Welche Sportarten hast du als Kind gemacht?

A: Sehr viele, ich ging etwa ins Geräteturnen oder ins Tanzen. Und früh, schon mit 5 Jahren, startete ich mit Leichtathletik, weil dort halt auch meine Schwestern waren. Am liebsten war mir lange immer der Sprint, wobei ich bald auch Mehrkampf trainierte. Hürdenlauf kam eigentlich erst dazu, als es etwa mit 16, 17 Jahren im Mehrkampf von fünf auf sieben Disziplinen ging. Kurz darauf spezialisierte ich mich. 

F: Du giltst als mindestens so talentiert wie Mujinga, wurdest letztes Jahr U20-Europameisterin. Was traust du dir noch zu?

A: Ich habe gelernt, dass man sich mit zu hohen Zielsetzungen nur selber unter Druck setzt. Das bringt mir nichts. Ich bin ehrgeizig, aber ich bin nicht verbissen, diese Lockerheit möchte ich mir unbedingt beibehalten. Es wird nicht immer aufwärtsgehen, mit Rückschlägen werde ich umgehen müssen. Aber ich darf auch sagen, dass ich mir zutraue, viel zu erreichen. Schritt für Schritt. 

 

Vorerst schliesse ich nun im Sommer 2022 die Matur am Sportgymnasium Neufeld in Bern ab. Dann werde ich sicher ein Zwischenjahr machen, indem ich mehrmals meine Meinung ändern werde, was ich danach studieren möchte (lacht). Ich mache mir keinen Stress, sondern möchte diese Zeit jetzt auch geniessen. Im Mai werde ich ja auch noch 20 Jahre alt. 

F: Gibt es neben deinen Schwestern noch weitere sportliche Vorbilder?

A: Ich finde die amerikanische Hürdenläuferin Nia Ali eine überragende Frau und Athletin. Nicht nur, weil sie einige grosse Titel gewonnen hat. Sondern auch, weil sie dreimal Mutter geworden ist und immer wieder ihre Bestform gefunden hat. 

F: Verrätst du uns zum Abschluss noch, ob du ein besonderes Ritual vor Wettkämpfen pflegst?

A: Ich bin nicht ein abergläubischer Mensch oder so. Was ich mache: Ich nehme mir Zeit für mich, frisiere mich schön, schminke mich. Das ist auch eine Art Selbstreflexion, das brauche ich, weil es mir gut tut und mich ablenkt. Und weil ich dann weiss, dass ich im Rennen zumindest schon einmal zufrieden bin, wie ich aussehe (schmunzelt). 

F: Du hast vorhin eine gesunde Ernährung erwähnt. Was heisst das für dich?

A: Man muss einen guten Mittelweg finden zwischen Genuss und Disziplin. Das Mass ist entscheidend, und das definiert letztlich jede und jeder ein wenig anders. 

 

Ich ernähre mich weder vegetarisch noch vegan. Zwischendurch ein schönes Stück Fleisch mag ich sehr. Ich esse viel Gemüse, viel Salat, muss aber gleichzeitig auch schauen, dass ich genügend Proteine und Kohlenhydrate zu mir nehme. Klar ist: Gesund zu essen bedeutet, dass man frisch kocht. Ich lebe noch im Elternhaus, das kann praktisch sein (schmunzelt), koche aber auch oft und sehr gerne selber.

F: Bist du eine gute Köchin?

A: Bisher hat sich noch niemand beschwert. Ich stehe gerne in der Küche, oft auch mit meinen Schwestern oder Freundinnen, dann zelebrieren wir das richtig. 

 

Mein Pilzrisotto ist nicht schlecht. Wenn ich dich dazu einladen würde, wärst du danach nicht enttäuscht, denke ich. Auch die Speisen aus dem Kongo sind lecker, ich kann Fufu zubereiten, das ist ein spezieller Brei. Mein Lieblingsessen ist aber die Lasagne unserer Mutter, die ist unschlagbar.

F: Hast du ein Laster?

A: Ich rauche nicht, trinke wenig Alkohol, esse auch nicht besonders viele Süssigkeiten. Okay, ich habe eine grosse Schwäche für Glacé, aber behalte das bitte für dich (lacht).

Willkommen, Ditaji Kambundji! Das Video-Interview

Steckbrief - «Didi», die U20-Europameisterin

Ditaji Kambundji wird im Mai 20 Jahre alt. Sie gilt weltweit als eines der grössten Talente im 100-m-Hürdenlauf und wurde letztes Jahr in Tallinn mit Rekordzeit U20-Europameisterin. Zusammen mit ihren drei älteren Schwestern wuchs die Tochter einer Schweizerin und eines Kongolesen in Liebefeld bei Bern auf. Als Leichtathletin wandelt Ditaji, die alle «Didi» nennen, auf den Spuren ihrer erfolgreichen Schwester und Sprinterin Mujinga, die ebenfalls Visana-Markenbotschafterin ist.

Als liebstes Hobby nennt sie Reisen und erinnert sich dabei gerne an einen Trip 2019 nach Costa Rica. Bald möchte sie nach Kuba reisen oder noch einmal nach Tokio, weil sie letztes Jahr an den Olympischen Sommerspielen wegen der strengen Pandemiemassnahmen wenig von der japanischen Stadt gesehen hat.

 

Ditaji Kambundji mag Sushi, Pflanzen und Schildkröten, kocht gerne und gibt Paris als Lieblingsstadt an. Das passt: In der französischen Metropole finden 2024 die nächsten Olympischen Sommerspiele statt. 

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Über
Fabian Ruch

Ich bin sportlich vor allem mit dem Ball unterwegs (Fussball, Tennis, Golf), gehe aber auch gerne ins Gym. Beruflich arbeite ich als Sportjournalist für die NZZ und habe mich im Bereich Kommunikation selbständig gemacht. Visana darf ich in vielen Bereichen textlich unterstützen. Ausserdem bin ich Redaktionsleiter des ersten Schweizer Frauen-Sportmagazins SPORTLERIN. Neben Sport gehören Reisen, Lesen und Pokern zu den liebsten unter vielen Beschäftigungen, die ich mag. 

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