Best Practice Giovanelli Fruchtimport

Seit Priska Müller 2010 ins Unternehmen eingetreten ist, stehen dem Personal der Giovanelli AG täglich frische Früchte zur Verfügung. Und sie hat noch viel mehr bewegt seither in Sachen Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM).
  • Ausgangslage

    Weshalb wurden Sie im Bereich BGM aktiv?

    Grundgedanke war unser Anspruch: «Wir wollen gesunde Mitarbeitende.» Zudem gab es gewisse Absenzen, die uns zu denken gaben und die den Gesundheitsgedanken weiter in den Vordergrund rückten. Wir haben  daraufhin verschiedene Dienstleister evaluiert. So auch Visana, die uns mit  einem breiten Angebot und kompetenter Unterstützung überzeugt hat.

    Wie sind Sie das Thema angegangen?

    Wir machten eine Zufriedenheitsumfrage mit einem externen Partner und  holten die Meinungen unserer Mitarbeitenden ab. Danach setzten mein Chef, Sergio Giovanelli (GL), und ich uns am Visana-Seminar  «BGM einführen» mit dem Thema auseinander und führten  anschliessend mit  Visana den Absenzenradar bei uns durch. So fanden wir heraus, dass die Ursachen vieler Absenzen nicht organisatorischer Natur waren, sondern im zwischenmenschlichen Bereich lagen. Stichwort: Wertschätzung,  Teamkonflikte, Teamgeist und verbindliche Führungsverantwortung.

    Konnten Sie auf die Unterstützung der Geschäftsleitung zählen?

    Sie stand von Beginn an hinter dem Thema. Zwar gab es durchaus kritische Stimmen, aber dieser Austausch ist wich tig. Als Personalfachfrau bin ich der Meinung, dass es sich immer lohnt, in Menschen und ihre Gesundheit zu  investieren.

    In die Mitarbeitenden zu investieren lohnt sich immer – auch wenn nicht alles mit Zahlen und Statistiken belegbar ist.

  • Massnahmen

    Sie haben eine Reihe von Massnahmen umgesetzt.

    Genau, wir haben mit verschiedenen Anbietern diverse Fachschulungen angeboten, die Vorge setzten gezielt im Visana-Seminar «Gesund führen» schulen lassen und ein freiwilliges tägliches Turnangebot für die  Mitarbeitenden während der Arbeitszeit eingeführt. Ausserdem haben wir ein Wasserspendersystem eingerichtet, die Mitarbeitenden mit neuer Firmenbekleidung ausgestattet, Teamanlässe zur Förderung der  Teamgeistes organisiert und ein Bonussystem eingeführt: Wer einen Monat lang keine krankheitsbedingte Absenz hatte, kann einen halben Tag zusätzliche Ferien im folgenden Jahr beziehen, also zusätzlich bis zu sechs Ferientagen pro Jahr.

    Was ist entscheidend bei der Umsetzung?

    All diese Massnahmen sind keine Selbstläufer. Wir müssen permanent dranbleiben und regelmässig neue Impulse setzen, damit die Wirkung nachhaltig ist. Ausserdem muss man genügend Zeit einplanen bis die Massnahmen greifen. Man darf nicht mit der Erwartung starten, dass ein solcher Prozess innerhalb eines Jahres abgeschlossen ist und dann alles von selber läuft.

    Welche Erwartungen hatte die Geschäftsleitung?

    Grundsätzlich erhoffte sie sich mit der Investition in die  Mitarbeitendengesundheit eine Senkung der Absenzzahlen, schliesslich ist das ein nicht zu unterschätzender Kostenfaktor. Die Mitarbei tenden für
    die eigenen Produkte begeistern und die Loyalität fördern waren weitere Vorgabe des Managements.

    Haben Sie die Ziele erreicht?

    Die Absenzzahlen im zweiten Jahr gingen um einen Fünftel zurück, das ist ein grosser Erfolg. Trotzdem muss man vorsichtig sein und nicht alleine die nackten Zahlen den Investitionen gegenüberstellen. Die Ursachen von Krankheiten und Unfälle können sehr vielfältig sein. Bei einer Grippewelle oder einer schweren Krankheit kann man einfach Pech haben, dies verfälscht die Zahlen. Aber die Zufriedenheit bei den Mitarbeitenden ist hoch, und im Branchenvergleich stehen wir gut da.

    Welchen Tipp geben Sie anderen mit auf den Weg?

    Sich zuerst bei Fachspezialisten informieren, bevor man allenfalls am falschen Ort beginnt. BGM kann nicht einfach von oben verordnet werden,
    es muss in enger Zusammenarbeit mit den Mitarbeitenden angegangen werden, zum Beispiel im Rahmen eines Gesundheitszirkels. Letzten Endes
    müssen die Massnahmen von den Mitarbeitenden mitgetragen werden.

  • Erfolge

     

    Rückgang der krankheitsbedingten Ausfallstunden um 21 Prozent für 2013 im Vergleich zum Vorjahr. Auch bei den unfallbedingten Absenzen wurde ein leichter Rückgang verzeichnet. Die höhere Sensibilisierung für die Gesundheit − auch in der Freizeit − dürfte ein wichtiger Grund dafür sein.

    Es braucht Zeit und Geduld bis die Massnahmen umgesetzt sind und auch greifen.

Ein Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) erfordert viel Engagement von Unternehmen. Diese werden sich zusehends bewusst, dass Gesundheit und Führungsstil eng miteinander verbunden sind und dass sich Investitionen aus zahlen. Ein BGM ist nicht bloss Prävention, sondern Ausdruck eines echten Interesses an der physischen und psychischen Gesundheit der Mitarbeitenden. Sensibilisierung der Führungs kräfte, offene Gespräche, Wertschätzung und verbindliche Abmachungen sind wichtige Instrumente dabei.