Best Practice Landqart AG

Mit dem Pilotprojekt sammelte die Landqart AG wertvolle Erfahrungen
und verbuchte mit ihrem Betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM) erste Erfolge. Projektleiterin Andrea Hefti sieht im aktiven Einbezug der Mitarbeitenden einen zentralen Schlüsselfaktor für den nachhaltigen Erfolg eines BGM.
  • Ausgangslage

    Wieso engagiert sich die Landqart AG in der Gesundheitsförderung ihrer Mitarbeitenden?

    Das Thema Gesundheit hat bei den Mitarbeitenden eines Industriebetriebs meist nicht den gleichen Stellenwert wie in anderen Branchen. Das wollten wir ändern. Im Rahmen einer Projektarbeit habe ich 2016 den Absenzprozess im Unternehmen analysiert und eine Standortbestimmung vorgenommen: Wo stehen wir? Wo wollen wir hin?

    Welche Rolle spielten die Absenzzahlen?

    Absenzen sind natürlich ein wichtiger Kostenfaktor. Und wir wiesen zu jener Zeit eine hohe Absenzquote auf. Auch bei den Kurzabsenzen bewegten wir uns auf hohem Niveau. Wir haben einen Quervergleich gemacht und geschaut, wie es die Branche handhabt. Viel wurde jedoch nicht gemacht, und wenn, dann mit einem monetären Ansatz. Das war für uns aber zu wenig nachhaltig. Nur mit Geld wird niemand gesund.

    Wie haben Sie die Geschäftsleitung überzeugt, ins BGM zu investieren?

    Ich habe ihnen die Kosten vorgerechnet, die wir mit einem BGM einsparen könnten. Wenn wir es schaffen, dass jeder Mitarbeitende nur einen Tag pro Jahr weniger krank ist, spart uns dies einen beträchtlichen Betrag. Dieses Argument hat die Geschäftsleitung rasch überzeugt.

    Nur mit Geld wird niemand gesund. BGM-Massnahmen sollen jedoch dort ansetzen, wo entsprechendes Potential vorhanden ist.

  • Massnahmen

    Welches war Ihr Ansatz?

    «Was hält die Gesunden gesund?» – dies war für uns die zentrale Frage. Im Rahmen eines zweijährigen Pilotprojektes können unsere Mitarbeitenden Punkte sammeln für jedes Quartal, das sie gesund sind. Diese können sie Ende Jahr gegen Gesundheit- und Präventionsangebote aus einem umfangreichen Prämienkatalog eintauschen: Thermalbadeintritte, Sportuhren, Beiträge an Fitness- oder Skiabos und vieles mehr. Das kommt bis jetzt sehr gut an.

    Wie ging es weiter?

    Wir holten mit Visana einen externen Partner an Bord. Als Taggeldversicherer kannten sie unser Unternehmen und verfügten über ein umfassendes BGM-Angebot. Zusammen haben wir einen BGM-Check als Standortbestimmung gemacht, wie Gesundheit
    in unserem Unternehmen verankert ist.

    Mit welchem Ziel?

    Unsere Absenzzahlen sind seit 2013 signifikant gestiegen. In einem ersten Schritt wollen wir auf jenen Stand zurückkehren. In einer zweiten Phase visieren wir das Niveau von 2011 an, als wir eine gesunde Absenzquote aufwiesen.

    Was folgte auf die Standortbestimmung?

    Wir thematisierten das Thema Absenzen offen und ohne Vorbehalte. Unter der Leitung von Visana gab es vier Workshops in vier Abteilungen. Die Mitarbeitenden konnten sagen, wo sie die Gründe für die Absenzen sahen. Während der Workshops waren keine Führungspersonen dabei, nur für die Begrüssung und am Ende bei der Präsentation der Resultate. Darum öffneten sich die Mitarbeitenden mehr, es entstand ein positiver Drive. Sie merkten, dass uns ihre Meinung interessierte und wir sie ernst nahmen.

    Was war Ihnen besonders wichtig?

    Die Betroffenen zu Beteiligten zu machen. Die Workshops wurden nicht als Bedrohung wahrgenommen, ganz im Gegenteil. Durch ihre unmittelbare Beteiligung erkannten die Mitarbeitenden ihren Nutzen. So forderten sie zum Beispiel, dass die Rückkehrgespräche konsequenter durchgeführt werden.

    Wie geht es weiter?

    Unser mittelfristiges Ziel ist es, die Vorgesetzten stärker einzubeziehen und bei ihnen das Verständnis zu generieren, dass es auch ihre Aufgabe ist, auf die Mitarbeitenden achtzugeben und sie wertzuschätzen. Die Gesundheit ist Teil der Zusammenarbeit, und die Führungspersonen sind die Multiplikatoren. Es funktioniert nur, wenn alle an einem Strang ziehen, und zwar in die gleiche Richtung. Daher ist es wichtig, dass wir künftig noch mehr in die Führungskräfteentwicklung investieren, um sie weiter zu sensibilisieren.

    Welche Tipps würden Sie anderen Unternehmen geben?

    Eine saubere Standortbestimmung ist das Nonplusultra. Wo sind wir? Wo wollen wir landen? Dann lohnt es sich, einen externen Partner hinzuzuziehen. Ich bin überzeugt, dass die Qualität der Ergebnisse höher ist, wenn man einen erfahrenen Partner an der Seite hat. Gerade bei einem so breiten Thema wie BGM. Für uns war es der richtige Schritt, auf unseren Taggeldversicherer Visana zuzugehen und auf sein Know-how zurückzugreifen. Und der dritte wichtige Punkt: Unbedingt die Mitarbeitenden einbeziehen und ihnen nicht etwas überstülpen wollen.

  • Erfolge

    Das Projekt Gesundheitsprämie ist gut angelaufen. Die Absenzquote ist nach einem Jahr um rund fünf Prozent gesunken. Allerdings ist das nur ein erster Trend und kein repräsentatives Ergebnis.

    Dank systematischer Bearbeitung des Themas Gesundheit sind Mitarbeitende, Führungspersonen und Geschäftsleitung sensibilisiert und involviert. Indem die Mitarbeitenden von Betroffenen zu Beteiligten  gemacht wurden, erkennen sie den Nutzen der BGM-Massnahmen und tragen diese mit.

    Die Workshops wurden nicht als Bedrohung wahrgenommen, ganz im Gegenteil. Durch ihre unmittelbare Beteiligung erkannten die Mitarbeitenden ihren Nutzen.

Für Andrea Hefti, BGM-Projektleiterin bei der Landqart AG, dürfen BGM-Massnahmen nicht nach dem Giesskannenprinzip erfolgen, sondern sollen dort ansetzen, wo entsprechendes Potential vorhanden ist.

Mit dem Verlauf des bisherigen Projekts ist sie zufrieden. Der eingeschlagene Weg stimmt positiv, und die Mitarbeitenden sind mit an Bord.