Managed Care

Bern, 20.09.2012 In der eidgenössischen Volksabstimmung vom 17. Juni 2012 scheiterte die komplexe Vorlage deutlich mit einem Stimmenverhältnis von 3 zu 1 und in allen Kantonen. Massgebend für das Scheitern war die Furcht der Stimmberechtigten vor der Einschränkung der freien Arztwahl.

Im Nachgang zur Volksabstimmung hat der Bundesrat deutlich gemacht, dass von ihm in naher Zukunft keine neue, sinngemässe Vorlage zu erwarten ist. Die Reaktionen von Parteien und Gesundheits- und Wirtschaftsorganisationen sowie von Medien zeigen indessen, dass mindestens Teilbereiche wieder aufgenommen werden sollen, u.a. eine zeitgemässere Fassung des Risikoausgleichs.

Kernpunkte der abgelehnten Teilrevision

Managed-Care-Modelle (HMO, Hausarztmodelle, Ärztenetzwerke) vermeiden Doppelspurigkeiten in Diagnostik und Therapie. Versicherte wenden sich immer an denselben Ansprechpartner (Gatekeeper), der das weitere Vorgehen koordiniert. Die so genannten integrierten Versorgungsnetze tragen Budgetmitverantwortung und sollen Doppelspurigkeiten und überflüssige Mehrfachbehandlungen vermeiden, die unnötig Zeit und Geld kosten. Ziel ist eine optimale statt maximale Behandlung.

Die Versicherten, die sich keinem integrierten Versorgungsnetz anschliessen, hätten nach Annahme der Vorlage eine höhere Kostenbeteiligung bezahlen müssen. Die eidgenössischen Räte hatten sich auf folgendes Modell geeinigt: 10 Prozent Selbstbehalt für Managed-Care-Versicherte bei einem jährlichen Höchstbetrag von 500 Franken; 15 Prozent Selbstbehalt sowie ein jährlicher Höchstbetrag von 1000 Franken für Versicherte, die sich keinem Modell der integrierten Versorgung anschliessen.

Um die Jagd nach sogenannten guten Risiken einzuschränken, hätte im Zuge der Teilrevision auch der Risikoausgleich angepasst werden sollen. Die Liste der Kriterien sollten neben Alter, Geschlecht und Spital- oder Pflegeheimaufenthalt im Vorjahr um einen Morbiditätsindikator ergänzt werden.

Position Visana

Visana war mit der Teilrevision einverstanden. Insbesondere begrüsste Visana die Einführung eines umfassenden Gatekeeper-Modells. Sie fordert dies schon lange, um wirksam das ungebremste Mengenwachstum zu bekämpfen.

Visana begrüsste die Ergänzung des Risikoausgleichs um einen Morbiditätsindikator. Nur so lassen sich die Unterschiede in den Versichertenkollektiven korrekt ausgleichen und die betriebswirtschaftlich notwendige, aber volkswirtschaftlich unsinnige Jagd nach guten Risiken wirksam bekämpfen. Dafür können sich die Versicherer auf den Service- und Leistungswettbewerb – insbesondere auch die Kostenkontrolle – konzentrieren.

Visana erwartet, dass die nicht bestrittenen Teile der Managed-Care-Vorlage – dazu gehört insbesondere die weitere Verfeinerung des Risikoausgleichs – in einer neuen Vorlage dem Parlament rasch wieder vorgelegt werden.