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Neueinteilung Prämienregionen

Bern, 13.01.2017 Die Visana-Gruppe lehnt die von Bundesrat Berset vorgesehene Neueinteilung der Prämienregionen ab. Sie würde ein grundsätzlich funktionierendes Gesamtsystem unnötig und nachhaltig belasten und hätte massive Auswirkungen auf die Prämien. Leidtragende wären die Versicherten.

Für die Visana-Gruppe ist die vorgesehene Änderung der Verordnung über die Prämienregionen sachlich nicht nachvollziehbar und in der vorliegenden Form nicht akzeptabel. Wir lehnen sowohl eine Neueinteilung der Regionen nach Verwaltungskreisen als auch Veränderungen in ihrer Anzahl ab. Die Einteilung in die Prämienregionen muss weiterhin auf Gemeindeebene erfolgen. Dies umso mehr, als ohne ersichtlichen Bedarf auch die maximalen Prämienunterschiede zwischen den einzelnen Regionen angepasst werden sollen. Weder die Kostentransparenz noch die in der Strategie 2020 ebenfalls angestrebte Kostenwahrheit werden dadurch verbessert. Die finanziellen Auswirkungen für die Versicherten in den betroffenen Kantonen wären erheblich: Der vorgeschlagene Systemwechsel würde für die Versicherten ausserhalb der städtischen Ballungszentren ohne ersichtlichen Grund teils massive Prämienerhöhungen und grosse Unsicherheit zur Folge haben. Das hat mit einer umsichtigen, auf Kontinuität und Ausgleich bedachten Prämienpolitik – die das EDI notabene von den Versicherern stets verlangt – nichts zu tun. Wir lehnen eine derart unfaire und in der Sache weder stimmige noch begründbare Lösung ab.

Neueinteilung nach Bezirken verzerrt Realitäten

In Bezug auf Kostentransparenz und Kostenwahrheit, beides Ansprüche der Gesundheitsstrategie 2020 des Bundesrats, eignen sich Verwaltungsbezirke oder -kreise nicht für die Definition der Prämienregionen. Sie sind hinsichtlich Gesundheitskosten und Bevölkerungsstruktur viel zu heterogen. Kostengünstigere Gemeinden werden mit kostenintensiveren Gemeinden in einen Topf geworfen. Nimmt man nun die Bezirke als Einteilungsgrundlage für die Prämienregionen, werden die teils beträchtlichen Kostenunterschiede zwischen den Gemeinden nivelliert, was letztlich zu Ungleichbehandlungen führt und der aufsichtsrechtlichen Vorgabe offensichtlich zuwiderläuft, dass die Prämien den Kosten entsprechen müssen. Als Folge davon leistet die Reform der geographischen Risikoselektion Vorschub, da Versicherte aus städtischen Gebieten für die Krankenversicherer unattraktiv werden, Versicherte aus ländlichen Regionen dagegen attraktiv. Darunter hätten auch die Managed Care-Praxen zu leiden, die ja besonders in den Städten präsent sind. Wir plädieren daher eindringlich dafür, die Definition der Prämienregionen weiterhin nach Gemeinden vorzunehmen. Dort sind Kostentransparenz und -wahrheit am ehesten gegeben.

Nivellierung der Prämien

Der vorgeschlagene Systemwechsel beinhaltet implizit aber nicht nur eine fragwürdige Nivellierung der Kostenunterschiede, sondern explizit auch einen mindestens so fragwürdigen Eingriff in die Prämiengestaltung in den einzelnen Kantonen. Es ist nicht nachvollziehbar, weshalb die heute schweizweit einheitlich geregelte, maximale Prämiendifferenz von 15 Prozent von der ersten zur zweiten Prämienregion, resp. von 10 Prozent von der zweiten zur dritten Prämienregion, neu kantonal unterschiedlich und vor allem wesentlich tiefer zwischen maximal 5-8 Prozent je nach Region angesetzt werden sollen. Dies würde wiederum zu einer Nivellierung der Prämientarife in den einzelnen Kantonen führen und somit auch hier weder zu höherer Kostentransparenz noch zu mehr Kostenwahrheit beitragen. Vielmehr nähern wir uns mit dieser Systemänderung in sämtlichen Kantonen kontinuierlich einer Einheitsprämie. Nimmt das EDI das Volksvotum von 2014 gegen eine Einheitskasse ernst, wird es nicht umhin kommen, seinen Vorschlag kritisch zu hinterfragen.

Reduktion der Prämienregionen: Landbewohner subventionieren Städter

Denselben Effekt einer Prämiennivellierung hätte die Reduktion der Anzahl Prämienregionen – im Kanton Bern von drei auf zwei. Eine Analyse unserer ca. 200‘000 Versicherten in der Kasse Visana AG zeigt, dass die angestrebte Reform in keiner Art und Weise den Gegebenheiten im Kanton Bern gerecht wird. Dies umso mehr, wenn die Einteilung nicht mehr nach der Gemeindestruktur sondern nach Bezirksstruktur erfolgt. Insbesondere führte die Reform dazu, dass Versicherte in ländlichen Gebieten, die erwiesenermassen weniger medizinische Leistungen beziehen, die Prämien der städtischen Bevölkerung, deren Nachfrage nach medizinischen Leistungen grösser ist, subventionieren müssten.

Massive Auswirkungen auf die Prämien

Im Kanton Bern wären prozentual am meisten Versicherte der Visana-Gruppe von einer Neueinteilung der Prämienregionen betroffen (rund 210‘000). Die Auswirkungen auf die Prämien wären massiv. Auf über 30‘000 Visana-Versicherte in den betroffenen Gemeinden der Regionen Emmental und Oberaargau käme eine voraussichtliche Anpassung von rund 15 Prozent zu (11 Prozent plus 4 Prozent Anpassung für die übliche jährliche Kostensteigerung).

Optimierungen ja, aber nicht mit dem Rasenmäher

Die Visana-Gruppe ist offen für Optimierungen am Gesamtsystem. Diese haben aber punktuell und gezielt, zum Beispiel was die Zuordnung von einzelnen Gemeinden zu gewissen Prämienregionen betrifft, zu erfolgen. Dafür müssen jedoch weder die heutige Berechnungsmethodik der Prämienregionen auf den Kopf gestellt noch zehntausende Versicherte mit einem Schlag mit stark spürbaren finanziellen Auswirkungen belastet werden, welche dann in der Folge auch Auswirkungen auf die Kantone und Gemeinden im Rahmen der Prämienverbilligungen hat. Es reicht, im heutigen System die punktuellen, gezielten Anpassungsempfehlungen der ETH ernst zu nehmen und umzusetzen. Weitergehende, radikale Anpassungen, welche zu massiver Prämiendiskontinuität und zu ungewollter Risikoselektion führen, sind möglichst zu vermeiden.