12. Mai 2026

Der Sitz der Firma DLD Trading AG in Muri bei Bern ist einladend und repräsentativ. Als das 1682 erbaute und denkmalgeschützte «Bierihaus» 1984 fast komplett abbrannte, drückten Luca Goetz und Daniele Varnai noch die Schulbank. Auch später im Militär waren die zwei Freunde unzertrennlich und interessierten sich nicht für Hierarchien, was einer Armeekarriere nicht zuträglich war.

Aber die Jugendfreunde hatten damals, Ende der 80er, sowieso andere Pläne: «Eigentlich wollten wir auf Weltreise gehen», erinnert sich Goetz. Weil das Geld nur für ein One-Way-Ticket reichte, suchten die begeisterten Baseballer – Varnai spielte in der Nati – nach Möglichkeiten, das Reisebudget aufzubessern. Weil Baseball-Equipment gerade sehr angesagt war, entstand DLD Trading. Die Geschäftsidee: Teams ausrüsten. Über Kontakte in die USA kamen sie zu Teva. Mit den damals neuen Trekking-Sandalen hatten sie plötzlich einen Schuh in der Tür zum internationalen Schuhhandel.

Visitenkarten, Kaffeeduft und Rekordumsätze

Aber warum eigentlich «DLD»? Die Gründer lachen. «Wir waren zu dritt: Daniele, Luca und Dean.» Dean sprang noch vor der Gründung ab. «Die Visitenkarten waren schon gedruckt, darum blieb es bei DLD.» Die ersten Jahre waren improvisiert. Das Büro war gleichzeitig Lager, mit einem Tisch und ganz vielen Kisten. Zeitweise waren sie in einer Berner Kaffeerösterei eingemietet: «Die Ware kam mit Kaffeeduft in den Handel.» Beide arbeiteten noch halbtags in ihren «richtigen» Jobs – Varnai als technischer Zeichner, Goetz bei einer Bank.

2003 ging es dank den Ugg-Boots richtig los. Die mit Lammfell gefütterten Lederstiefel aus Australien waren anfangs vor allem bei Surfern beliebt. Die Marke gehört wie Teva zum amerikanischen Deckers-Brands-Konzern und brachte Rekordumsätze. Varnai holt ein Exemplar: «Den hat Cindy Crawford persönlich gestaltet.» Als die Marke den Vertrieb selbst übernahm, war DLD längst etabliert. Auch die berühmten Crocs, ursprünglich für Bootsleute gedacht, waren ein Renner. «Zu Spitzenzeiten waren wir 24 Mitarbeitende», erinnert sich Goetz. DLD hat Schuhkultur mitgeprägt. Sehr aufregend sei das gewesen, aber auch sehr anstrengend.

Teamwork, Kochen und dumme Sprüche

Seither ist wieder etwas Ruhe eingekehrt. 12 Mitarbeitende sind aktuell für die Firma tätig – plus die Logistik in Burgdorf. «Hier ist alles schön kompakt», sagen die Chefs. DLD ist zwar kein Familienunternehmen, aber – das spürt man sofort – ein familiäres. Von Hierarchien halten die beiden noch gleich wenig wie damals im Militär. Für ein Foto zu zweit zieren sie sich, wenn schon, müsse das ganze Team drauf: «Vielleicht beim ‹Mäntigs-Choche›?» Dieses hat Tradition: Immer montags kocht jemand fürs ganze Team.

Und sonst importieren und vertreiben sie noch immer vor allem Schuhe – rund eine halbe Million Paar pro Jahr. Zehn Marken sind im Sortiment, darunter Teva, Hey Dude, Toms oder eben Crocs. Sprüche über die kultigen Treter sind sie gewohnt: «Ihr seid der Generalimporteur von hässlichen Schuhen», habe einmal einer gewitzelt. Sie werfen einen Blick auf die beim Eingang aufgereihten Exemplare, um sogleich eine Lanze für die Pantoffeln aus geschäumtem Kunststoff zu brechen: «Sie sind superbequem und gesund.» Ob sie «ihre» Schuhe auch selbst tragen? «Natürlich, ich habe sicher 130 Paar zu Hause», sagt Varnai. Goetz gibt seine Schuhe jeweils an seinen Schwiegervater weiter.

Das komplette Team von DLD Trading AG vor dem "Mäntigs-Choche"

Nachhaltigkeit, verpasste Chancen und neue Ideen

Seit der Jahrtausendwende hat sich die Branche verändert. Der stationäre Handel steht unter Druck, besonders wegen der Konkurrenz aus dem Ausland. Rund 30 Prozent ihres Absatzes liefen online, Tendenz steigend. Schuh- und Sportgeschäfte seien aber nach wie vor ein wichtiger Absatzkanal, besonders diejenigen in den Tourismusorten. «Dort will die Kundin oder der Kunde den Schuh gleich mitnehmen.» Darum setzt DLD auf eine schnelle Logistik: Innerhalb von 24 Stunden wird in die ganze Schweiz geliefert.

Auch Nachhaltigkeit ist ein grosses Thema. «Greenwashing wird durchschaut», ist Goetz überzeugt, und man spürt: Nachhaltigkeit ist den beiden Geschäftsführern auch persönlich wichtig. Langlebigkeit, Vermeidung von Überproduktion und Wiederverwertung – das seien die drei Pfeiler. Die Kundschaft schaue heute genauer hin. «Einmal hat eine Kundin reklamiert, weil sich bei ihrem Schuh nach 18 Jahren die Sohle gelöst hatte, sie drohte mir mit dem ‹Kassensturz›», erzählt Goetz mit einem Schmunzeln. «Das wäre tolle Werbung gewesen, leider wollte sie dann plötzlich doch nicht mehr.»

Schuhe, die 1000 Kilometer halten. Marken, die bewusst produzieren. Das sei die Zukunft. Goetz holt einen Cotopaxi-Rucksack: «Die werden komplett aus wiederverwertetem Nylon hergestellt. Jeder ist ein Unikat.» Neu im Sortiment sind auch die Hands-Free-Schuhe von Kizik, in welche man – dank patentierter Fersentechnologie – bequem und ohne Bücken hineinschlüpfen kann. In beiden Marken sehen Varnai und Goetz viel Poten­zial. Trends vor anderen zu erkennen, das ist ihr Erfolgsgeheimnis. Hinter jedem Zufall stecken Beobachtung, Erfahrung, eine feine «nose for news» und eine Portion Mut: «Von zehn Ideen funktioniert eine.» Ideen haben sie zum Glück noch zuhauf. Und die Weltreise? Die haben sie nie nachgeholt. Aber ausgerüstet wären sie.

Die DLD Trading AG ist bei V⁠i⁠s⁠a⁠n⁠a kranken- und unfallversichert. «Wir sind international tätig, aber hier in der Region zu Hause und verwurzelt», sagt Verwaltungsratspräsident Beat Götz. Er hat die Firma und V⁠i⁠s⁠a⁠n⁠a zusammengebracht. Nähe, eine Kundenbeziehung auf Augenhöhe und Verlässlichkeit seien entscheidend: «Man kennt sich, das schätzen wir als KMU.»

V⁠i⁠s⁠a⁠n⁠a Services AG
Hauptsitz
Weltpoststrasse 19
3000 Bern 16