Am letzten Freitag im Monat wird bei der Jampen AG nicht mehr nur gearbeitet. Dann treffen sich die Mitarbeitenden zum «Jampen-Feierabend» bei Bier, Züpfe und Hobelkäse. Man spricht über Projekte, das Wochenende oder die Familie.
Als «sehr familiär» beschreibt Geschäftsführerin Fabienne Walther die Kultur des Unternehmens, «alles andere als hölzern». Das spricht sich herum: Kollegen und Kolleginnen werben andere an, viele bleiben dem Betrieb treu. Erst kürzlich wurde ein Schreiner pensioniert, der 44 Jahre für die Jampen AG gearbeitet hatte. «Das sagt einiges über uns aus.»
Seit fast 100 Jahren in Seftigen
Gegründet wurde der Betrieb 1927 von Friedrich Jampen, dem Urgrossvater des heutigen Mitinhabers Lukas Jampen. Mit diesem prägt mittlerweile die vierte Generation das Familienunternehmen. Was als Schreinerei begann, entwickelte sich über die Jahrzehnte weiter. Seit den 1970er-Jahren gehört auch der Holzbau dazu. Geblieben ist der Standort in Seftigen bei Thun.
Heute beschäftigt die Jampen AG rund 45 Mitarbeitende. In der Führung setzt man auf unterschiedliche Perspektiven. Neben Lukas Jampen sind Globetrotter-CEO André Lüthi und Ex-SCB-Goalie Marco Bührer Mitinhaber. Der Verwaltungsrat ist bewusst breit aufgestellt. «Holzfachmänner und -frauen haben wir ja im Betrieb genug», meint Lukas Jampen.
Auch Fabienne Walther ist eine Quereinsteigerin: Nach der kaufmännischen Lehre im Autogewerbe, einem Tourismus- und anschliessenden BWL-Studium führte sie ihr Weg in die Holzbranche. An ihrem Job schätzt sie vor allem die kurzen Wege und die Möglichkeit, Ideen rasch umzusetzen. «Man kann etwas anpacken und sieht direkt, was daraus entsteht.»
Mehr als Holz
Die Holzbranche gilt als eher konservativ. Umso wichtiger ist es der Jampen AG, innovativ zu sein. Man investiert in moderne Technologien, zahlt überdurchschnittliche Löhne und setzt auf einen frischen Auftritt. Hochwertig, unkonventionell, bodenständig und charmant – das sind die Unternehmenswerte. Während Fabienne Walther sie aus dem Stegreif aufzählt, muss Lukas Jampen kurz überlegen – und schmunzeln.
Tätig ist das Unternehmen vor allem in der Region und im Kanton Bern. «Wir machen fast alles, was aus Holz ist», sagt Fabienne Walther. Nur Küchen und Möbel gehören nicht zum Angebot. «Terrassen und vor allem Fenster sind unsere Spezialität. Die Kombination von Zimmerei und Fensterbau gibt es nicht so oft, wir können sehr vieles aus einer Hand anbieten.»
Zeit für Qualität, Service und Berufsbildung
Der Wettbewerb ist intensiv, der Preisdruck hoch. Allein im überschaubaren Seftigen gibt es drei Mitbewerber. Die Jampen AG setzt auf Qualität, Service und langfristige Kundenbeziehungen. «Die Leute schätzen, dass wir erreichbar sind und uns Zeit nehmen», sagt Walther. Auch kleine Gesten gehören dazu: Wird ein Auftrag bestätigt, schreiben die Lernenden der Kundschaft von Hand eine Karte, um sich zu bedanken.
Die Ausbildung spielt denn auch eine zentrale Rolle. Rund ein Drittel der Mitarbeitenden sind Lernende. Viele bleiben dem Unternehmen treu oder kommen irgendwann zurück. Drei der sechs Projektleiter haben einen «Jampen-Hintergrund». Über Fachkräftemangel kann man sich nicht beklagen – auch dank des langjährigen Engagements in der Berufsbildung.
Die Jampen AG hat ihre Krankentaggeldversicherung sowie die Unfallzusatzversicherung bei Visana. Für Geschäftsführerin Fabienne Walther ist die Zusammenarbeit wortwörtlich naheliegend: «Wir sind aus dem gleichen Holz geschnitzt und im Bernbiet verwurzelt.» Besonders schätzt sie die persönlichen Kontakte und die unkomplizierte Zusammenarbeit.
Wenn weniger plötzlich mehr ist
Mit einem Unternehmen, das seit fast 100 Jahren besteht, wächst nicht nur der Stolz, sondern auch die Verpflichtung. Lukas Jampen übernahm schon früh eine führende Rolle. Der gelernte Zimmermann studierte Unternehmenspsychologie und bildete sich in Leadership und Betriebswirtschaft weiter.
Hohe Ansprüche an sich selbst und die Verantwortung für das Familienunternehmen forderten ihren Tribut. Eine Erschöpfungsdepression zwang ihn schliesslich, innezuhalten und auch seine Rolle als Unternehmer zu überdenken. Seine Erfahrungen hat er in einem Buch verarbeitet (siehe Kasten).
Heute arbeitet Jampen nicht nur strategisch, sondern auch weiterhin operativ im Unternehmen mit, die Führung liegt aber bei der Geschäftsleitung. «Ich bin gar nicht mehr Chef ... », sagt er und lacht. Gemeinsam den Karren zu ziehen und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, das sei für ihn eine der wichtigsten Erkenntnisse gewesen.
Die Zukunft der Jampen AG sehen Lukas Jampen und Fabienne Walther optimistisch: «2027 feiern wir zuerst unser 100-Jahr-Jubiläum, danach gehts an die nächsten 100.»
Bruchlandung mitten ins Leben

Nach einer Erschöpfungsdepression hat Lukas Jampen seine Erfahrungen in einem Buch verarbeitet. In «Erschöpft – Bruchlandung mitten ins Leben» erzählt er offen und ungeschönt von seinem Hineinschlittern in die Krise und seinem Weg zurück. «Ich möchte helfen, dem Thema psychische Gesundheit mehr Präsenz, Akzeptanz und Raum zu geben.»